© Kino Orient  


Playtime war 6 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Oktober 2003.

Playtime

Jacques Tati, Frankreich, 1967
124 Min.

Vier unvergessliche Spielfilme des genialen Komikers und Regisseurs Jacques Tati und drei fast unbekannte Kurzfilme von ihm sind wieder in neuen Kopien zu geniessen. Bei uns ist «Playtime» an der Reihe, der mit ebenso visionärem wie visuellem Sinn die Zukunft in die 60er Jahre holt. Das Leben ist ein grosser Rummelplatz. Seinen Film hat Tati in einem Paris der Zukunft angesiedelt, in dem vieles schon Gegenwart ist, wenn man nur genau hinschaut, auf alle Fälle Beton, Hochhäuser und Glas. Er führt uns durch eine Flughafenwartehalle, ein Bürogebäude, eine Ausstellung für modernes Wohnen und schliesslich durch ein feines Restaurant. Die Hauptfigur Monsieur Hulot lässt sich durch diese Lokalitäten treiben und kämpft gegen die Widrigkeiten des Alltagslebens an. Der Film ist ganz eigen. Es gibt keine richtigen Dialoge. Wenn gesprochen wird, dann meist im Hintergrund über banale Dinge und in einem Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch und Französisch. Statt Sprache gibt es Geräusche. Welche Geräusche entstehen, wenn man mit bestimmten Schuhen auf einem bestimmten Fussboden entlangstolziert, ist eine der Fragen, die der Film beantwortet. Alles und jeder verursacht Geräusche. Im Prinzip ist Tatis Film auch eine sehr schöne Ergänzung zu unserer Architekturreihe, nimmt er doch auf die Schippe, was Menschenhand so gegens Menschsein konstruieren kann. Tati karikiert die Menschen unseres Alltags: Büroangestellte, Touristen, Kellner. Jeder trägt seine eigene Macke mit sich herum. Die zwanghafte Sucht nach Glas in der Moderne wird immer wieder vorgeführt. Die Wohnungen werden so zu Schaubuden, die Glastüren werden auf die Öffnung hin abgesucht, ab und zu läuft jemand dagegen. Am Ende dürfen dann alle noch einmal Karussell fahren. Im Kreisverkehr schaukeln die Busse, Autos, Lieferwagen und rollenden Eisverkäufer zur Jahrmarktsmusik. Ein grossartiges, skurriles Schlussbild. «Playtime ist mit nichts zu vergleichen, was bereits im Kino zu sehen war. Ein Film von einem anderen Planeten, wo man andere Filme dreht», hat François Truffaut bei der Premiere geschrieben, und an seiner Einschätzung hat sich eigentlich nichts geändert. Tatis Film kündet heute einfach zusätzlich noch von einer nahen Vergangenheit, jener der sechziger Jahre und ihrem eigenartigen Zukunftsglauben, ihrer Zukunftsvorstellung.

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