© Kino Orient  
Spieldaten
Mi 23.05  20:30

Grain - Das Korn des Lebens

Semih Kaplanoglu, Türkei, 2017
127 Min.

Mit überwältigenden Bildern und einer mythisch-philosophisch anmutenden Geschichte entführt uns Semih Kaplanoglu in «Grain – Das Korn des Lebens» in eine Zukunft, die so fern nicht mehr scheint. Ein abrupter Klimawandel hat das Leben auf der Erde nahezu unmöglich gemacht. Die Ernährungshoheit liegt in den Händen eines mächtigen Konzerns, doch die wiederholten Missernten bringen den Glauben an das genmanipulierte Getreide ins Wanken, zumindest jenen von Wissenschaftler Erol Erin. Er beschliesst, in die gefährliche tote Zone zu reisen, wo der unlängst entlassene Angestellte Cemil Akman nach dem Korn des Lebens forscht. Ein Trip in selten mehr gesehenem Schwarzweiss auf Breitleinwand beginnt. Nachdem er mit seiner Yusuf-Trilogie in meisterlicher Art und Weise die Zeit vom Erwachsensein in die Kindheit zurückging und sie 2010 mit «Bal» (Honig) und dem Goldenen Bären zum krönenden Abschluss brachte, wagt der türkische Filmemacher diesmal einen Abstecher in die nahe Zukunft. Weit entfernt von den Katastrophenfilmen à la Hollywood, gestaltet Semih Kaplanoglu sorgfältig eine Science-Fiction, die so nah am Heute ist, dass sie sich nur wenig von der Realität entfernt, in der gewisse Regionen auf unserem Planeten bereits leben. Im Unterschied zum Materialismus des Nordwestens, der dauernd technische Lösungen sucht gegen die gleichzeitig unaufhaltsam laufende Zerstörung des Planeten, zieht Kaplanoglu es vor, philosophische Fragen zu stellen und einen Weg des Nachdenkens zu beschreiten, wie es schon Andrei Tarkowski mit «Stalker» getan hat. Es ist diese philosophische Suche – einige würden sie wahrscheinlich sogar als mystisch bezeichnen, wenn sie an den russischen Filmemacher denken –, die Semih Kaplanoglu immer interessiert hat und auch hier fasziniert.

Druckerfreundliche Version