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Abluka war 4 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2016.

Abluka

Emin Alper, Türkei, 2015
108 Min.

Dieser Film geht unter die Haut und dringt schonungslos in die Realität vor, die er beschreibt. Er ist visionär, denn das, wovon Emin Alper erzählt, ist in seiner Heimat nicht mehr allzu weit entfernt, und anderswo genauso, überall dort, wo die Durchsetzungs-Mentalität der Nationalisten das Leben der Mehrheit dominieren will. Eine reale Momentaufnahme aus der nahenden Endzeit in Städten, in denen bereits der Terror regiert. Istanbul versinkt im Chaos. Bewaffnete Gruppen haben die Kontrolle über die ärmeren Stadtteile gewonnen. Die Polizei ist machtlos. Kadir wird vorzeitig aus der Haft entlassen und soll als Informant arbeiten. Er überprüft den Müll auf Sprengsätze und die Strassen auf Verdächtige hin. Als Erstes sucht er den jüngeren Bruder Ahmet auf.

Während zum Einstieg ein Mann aus dem Gefängnis entlassen wird mit dem Auftrag, draussen unauffällig für den Staat zu schnüffeln und dies nicht einmal dem eigenen Bruder zu sagen, fragt man sich am Ende des Filmes, ob seine Freiheit im Gefängnis nicht grösser gewesen sei. Emin Alpers «Abluka» ergänzt Werke wie «Bal» (Goldener Bär) und «Winter Sleep» (Goldene Palme) und unterstreicht die aktuelle Vielfalt und Kraft des türkischen Kinos mit seiner atemberaubend gestalteten und Gänsehaut erzeugenden Betrachtung einer Gesellschaft, in der die Angst regiert und keiner mehr dem anderen trauen kann. Alpers Film spielt in einer vagen Zukunft in einem Land, in dem diese verdammt nahe ist. Die Türkei steht mit einer Regierung, für die Waffen und Gefängnis alltägliche Instrumente der Disziplinierung Andersdenkender geworden sind, für eine beängstigende Tendenz. Die Stadt im Film zuckt im Chaos von Gewalt und Gegengewalt. Der jüngere Bruder des Entlassenen mauert sich ein, weil er den Leuten nicht mehr traut. Wenn es einen Film gibt, der uns vor Augen führt, wohin ein Land und seine Gesellschaft driften, wenn Ausgrenzung und Verdacht bestimmend werden, dann dieser. Die Beklemmung vermittelt sich ganz direkt, die ausgeklügelte Tonspur verleiht den düsteren Bildern den Abgrund, in den wir fallen, wenn nur noch das Dunkel regiert. Staatliche Gewalt und jene des Terrors sind nicht mehr zu unterscheiden. Kein gemütliches, aber ein ungemein starkes und aktuelles Kinostück.

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