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Der Spiegel war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2016.

Der Spiegel

Andrei Tarkowski, Sowjetunion, 1975
108 Min.

Der Russe Andrei Tarkowski wollte uns in seinen Filmen nie einfache Geschichten erzählen. Er lädt uns ein, in seinen Filmflüssen aufzugehen, das wahrzunehmen, was wir selber ahnen mögen, was sich uns aber so einfach nicht zeigt. Am weitesten in Richtung traumhaftes Erzählen ging Tarkowski in seinem Schlüsselwerk «Der Spiegel », von dem man weiss, dass er sehr stark auto-biografisch geprägt ist und wo man sehen kann, wie frei der Filmpoet jegliche Erzähl- Linearität aufhob, um uns zu anderen, zu inneren Zusammenhängen zu begleiten als jenen der zeitlichen Abfolge. Es geht ihm um Wahrnehmungen, die im menschlichen Erinnerungsvermögen weder eine lineare Struktur haben noch eine vollumfänglich teilbare Wahrheit. Ein Mann, Sohn geschiedener Eltern, bewegt sich auf der Suche nach der verlorenen Zeit und in ihr nach dem, was man als Identität bezeichnen könnte. Dabei ist hier, viel offensichtlicher als in den anderen Filmen Tarkowskis, das private Schicksal verbunden mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Sowjetunion. «Der Spiegel» gilt nicht umsonst als der stärkste, aber auch am schwierigsten zugängliche Film des Regisseurs von «Andrej Rubljow» und «Stalker ». Er spielt mit Spiegelbildern, die auseinander hervorgehen mögen, sich selber reflektieren und ineinander verschränkt sind – wie das menschliche Denken, wie das Erinnern. Gefühle, Momente des Biografischen, äussere Ereignisse, Wahrnehmungen, Menschen und Räume: Alles fügt sich zu einem Kaleidoskop, durch das man immer wieder blicken möchte. Ein grossartiger Film, unvermindert faszinierend. Eine echte Seherfahrung.

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